Schaben Zucht

Schaben gehören zu den wohl am einfachsten zu züchtenden Futtertieren und schlagen sogar noch Mehlwürmer.

Viele Menschen verbinden Schaben sofort mit Kakerlaken und Schädlingen. Allerdings gibt es unzählige Arten von Schaben und nur die wenigsten besitzen ein Pest-Potential und werden als “Kakerlake” oder “Küchenschabe” bezeichnet.

Zwei Schaben-Arten sind für die Zucht geradezu ideal geeignet. Das sind die Argentinische Waldschabe und die Totenkopfschabe.

Argentinische Waldschabe (Blaptica dubia)

Die Argentinische Waldschabe ist eine etwa 4 cm große Schabenart bei denen nur die ausgewachsenen Männchen Flügel tragen. Die Weibchen bleiben flügellos und sind kräftiger gebaut. Die Jungtiere sehen den Jungtieren der Totenkopfschabe sehr ähnlich.

Männchen (links), Jungtier (rechts oben) und Weibchen (rechts unten) der Argentinischen Waldschabe

Totenkopfschabe (Blaberus craniifer)

Jungtier der Totenkopfschabe (oben) und ausgewachsenes Männchen (unten). Ausgewachsene Weibchen sehen gleich aus, sind nur eine Spur breiter

Die Totenkopfschabe ist in der Zucht eigentlich gleich zu behandeln wie die Argentinische Waldschabe. Sie ist etwas größer (5 cm) und entwickelt sich insgesamt eine Spur schneller. Als markantes namensgebendes Zeichen haben die ausgewachsenen Tiere einen schwazen Fleck auf dem Kopfschild der ein wenig an einen Totenkopf erinnert. Im Gegensatz zur Argentinischen Waldschabe sind bei dieser Art beide Geschlechter beflügelt wenn sie ausgewachsen sind.

Vorteile dieser Arten

  • Können keine glatten Flächen hinauf klettern
    Das ist der wohl wichtigste Punkt um die Zucht sehr entspannt zu machen. An glatten Flächen findet diese Schaben-Art keinen Halt, können also an Glasscheiben oder an den Wänden einer Plastik-Box nicht hinauf laufen.
  • Trockene Zucht ohne Substrat
    Die Tiere können ausgezeichnet sehr trocken, warm und ohne Substrat gezüchtet werden. Das hilft ungemein die Zucht hygenisch zu halten und hilft z.B. Milben-Befälle vorzubeugen.
  • Tiere fliegen nicht
    Man muss keine Angst haben, dass die Tiere beim Öffnen der Zucht-Box in alle Richtungen wegfliegen. Lediglich die ausgewachsenen Tiere haben Flügeln, bei der Argentinischen Waldschabe sogar nur die Männchen. Allerdings verwenden sie diese kaum. Zum Einsatz kommen sie in erster Linie wenn die Tiere wo herunter fallen. Nur sehr selten sieht man mal ein Tier tatsächlich fliegen.
  • Leise
    Im Gegensatz zu Grillen und Heimchen machen Schaben keine Geräusche.
  • Geruchsneutral
    Ein wichtiger Punkt für jede Futtertier-Zucht im Haus. Anders als z.B. bei einer Nagetier-Zucht fängt Nichts an zu stinken.

Es reichen oft schon wenige Tiere um selbst eine kleine Zucht zu beginnen. Auch die Geschlechter der ausgewachsenen Tiere lassen sich sehr gut erkennen.

Welche Art ist besser?

Beide Arten sind wie gezeigt ideal geeignet. Die Argentinische Waldschabe haben aus unserer Sicht nur noch zwei klare Vorteile gegenüber der Totenkopf Schabe:

  • Sie werden nicht ganz so groß
    Adulte Totenkopfschaben sind schon richtige Brocken. Gerade für sehr alte Tiere sind sie bald zu groß, da verfüttern wir lieber mehrere kleine Tiere. Mehrere kleinere Tiere zu verfüttern hat auch den Vorteil, dass man dadurch mehr Nährstoffe in Form von Magen- und Darminhalt transportieren kann: Stichwort Gut-Loading.
  • Man erkennt bei den ausgewachsenen Schwaben ganz eindeutig von oben das Geschlecht
    Gerade wenn man die Zucht ein bisschen einschränken will ist es gut wenn man auf einen Griff mit Sicherheit ein adultes Weibchen hat und nicht lange suchen muss.

Geschlechtsunterscheidung

Bei der Argentinischen Waldschabe ist der Geschlechtunterschied bei den ausgewachsenen Tieren sehr einfach. Nur die Männchen bekommen Flügeln. Bei den Totenkopfschaben ist das schon nicht mehr so einfach weil hier beide Geschlechter Flügel bekommen.

Bei beiden Arten kann man aber die Geschlechter noch auf eine zweite Art sehr gut und auch bei Jungtiere unterscheiden. Betrachtet man den Hinterleib einer Schabe von unten erkennt man, dass dieser in einzelne Segmente unterteil ist. Bei beiden Arten sind bei den Weibchen die beiden letzten Segmente miteinander verwachsen während sie das bei den Männchen nicht sind.

Bei den Männchen (links) sind die letzten beiden Segmente nicht zusammen gewachsen. Bei den Weibchen (rechts) schon.
Zu sehen sind jeweils ein Jungtier und ein ausgewachsenes Tier. (Klicken zum Vergrößern)

Außerdem erkennt man bei der Totenkopfschabe mit etwas Erfahrung auch von oben das Geschlecht eines ausgewachsenen Tiers. Weibchen sind in Summe eine Spur breiter und größer.

Zuchtbehälter

Ideal geeignet sind Plastikboxen mit einem Deckel und Lüftungsflächen. Das kann eine typische Transportbox sein oder eine einfache große Plastikbox aus dem Baumarkt in die mit einem Teppichmesser und Lötkolben Metall-Fliegengitter als Lüftungsflächen eingeschmolzen wurden.

Transportbox
Klassische Transportboxen. Erhältlich z.B. auf Amazon.de
Selbst gebastelte Zuchtbox
Selbst gebastelte Zuchtbox für Schaben: In eine Plastik Box wurde mit einem Lötkolben Metall-Fliegengitter als Lüftungsflächen eingeschmolzen.

Innenausstattung

Die Tiere benötigen viele Versteck-Möglichkeiten weil sie hauptsächlich nachtaktiv sind. Ideal geeignet sind daher Eierkarton-Stücke und Papierrollen. Damit bietet man den Tieren gute Verstecke und erhöht die Fläche die sie nutzen können. Die Einrichtung muss je nach Verschmutzungsgrad regelmäßig erneuert werden.

Futter

Beim Futter sind die Tiere nicht sehr wählerisch. Man sollte allerdings aufpassen, dass auch genug Protein in der Nahrung vorhanden ist. Sehr gut geeignet ist eine 1:1 Mischung aus Haferflocken und Katzen/Hunde-Trockenfutter. Das Futter bietet man am besten in einer geeigneten Futterschale an. Dabei ist darauf zu achten, dass auch die kleinsten Tiere an das Futter kommen. Glattwandige Schalen sind daher nicht so gut geeignet oder benötigen zumindest einen “Steg”.

Zusätzlich können alle möglichen frischen Pflanzen angeboten werden. Es ist durchaus sinnvoll schon bei der Fütterung an den Nährwert-Bedarf der späteren Konsumenten zu achten. Wir füttern daher mit den gleichen Pflanzen die wir auch den Bartagamen geben.

Trotzdem sollten die Tiere vor dem Verfüttern nochmal speziell angefüttert und mit Vitamin-Präparaten bestäubt werden.

Wasser

Einfache Dochttränke mit einem Stück Stoff an dem die Schaben Wasser saugen können.

Als Wasserquelle haben sich Dochttränken als ideal erwiesen. Das sind Gefäße die mit Wasser gefüllt werden und im Deckel ein Loch für einen Docht haben an dem die Tiere das Wasser absaugen können. Das ist eine sehr einfache und hygenische Möglichkeit große Mengen Wasser über einen längeren Zeitraum anzubieten ohne, dass es verunreinigt werden kann oder kleine Tiere darin ertrinken können. Als “Docht” kann einfach ein Stück Stoff verwendet werden den man regelmäßig erneuert.

Als Gefäße bieten sich alle möglichen Plastikbehälter oder auch z.B. Konfitürengläser an.

Temperatur, Licht, Standort …

Die Tiere können bei Zimmertemperatur gezüchtet werden. Allerdings entwickeln sie sich bei leicht erhöhten Temperaturen wesentlich schneller. 23 – max. 30 °C haben sich als ideal erwiesen.

Die Tiere sind nachtaktiv. Man sollte ihnen aber dennoch einen Tagesrhythmus bieten und ihnen ein paar Stunden Licht am Tag gönnen.

Eine eigene Heizmatte oder Beleuchtung ist in der Regel nicht notwendig. Oft kann die Abwärme eines Vorschaltgeräts oder der Beleuchtung des Bartagamen-Terrariums genutzt werden um die Zuchtbox leicht über Zimmertemperatur zu erwärmen.

Man sollte darauf achten, dass die Bartagamen keinen Sicht-Kontakt zu den Schaben haben.

Entwicklung

Die Jungtiere beider Arten brauch in etwa 5 Monate um ausgewachsen zu sein. Die Lebensdauer beträgt etwa ein Jahr. Ein Weibchen bekommt im Abstand von 7 Wochen (Argentinische Waldschabe) bzw. 4 Wochen (Totenkopfschabe) etwa 20-35 Jungtiere. Totenkopfschaben sind in der Regel etwas ergiebiger in der Zucht als Argentinische Waldschaben.

Alle Entwicklungszeiten hängen sehr stark von der Temperatur im Zuchtbecken ab. Je wärmer, desto schneller entwickeln sich die Tiere. Allerdings sollte es nicht über 30 °C bekommen.

Die Jungtiere müssen nicht von der ausgewachsenen Tiere getrennt werden.

Hantieren mit den Tieren

Ein großartiges Hantieren mit den Tieren ist eigentlich nicht notwendig. Beim Verfüttern kann man zur Not auf eine lange Pinzette zurück greifen und ansonsten verstecken sich die Tiere in den Eierkartons oder Papierrollen und können einfach herausgeklopft werden. Allerdings sollte man als Züchter trotzdem nicht unter Berührungsangst leiden. Wenn ein Tier einmal entkommt ist es mit einem beherzten Griff schnell und problemlos wieder eingefangen. Außerdem muss man bei der Verwendung von Pinzetten aufpassen, die Tiere nicht unnötig zu verletzen.

Wer Angst davor hat Schaben zu berühren sollte sie nicht züchten. 😉

Die Tiere sind aber auch ganz problemlos zu Hantieren. Sie sind nicht besonders schnell – Totenkopfschaben etwas schneller als Argentinische Waldschaben. Außerdem können sie nicht beißen oder Ähnliches. Wer Berührungsängste hat kann sich beim Zoofachhandel eine kleine Packung zum Verfüttern kaufen und so erste Erfahrungen sammeln.

Beim Füttern darauf achten, dass die Tiere sofort versuchen werden sich zu verkriechen.

Eine lange Pinzette eignet sich gut um Schaben gezielt zu verfüttern ohne, dass sie sich sofort verkriechen können. Erhältlich bei Amazon.de

Reinigung der Zuchtbecken

Auch die regelmäßige Reinigung der Zuchtbecken gehört zu einer hygenischen Futtertierzucht dazu. Zum einen muss regelmäßig der angefallene Schmutz und Müll entfernt werden (Futterreste, Kot, tote Tiere, Reste der Häutungen etc.) und zum anderen muss auch die Einrichtung immer wieder mal erneuert werden.

Am einfachten funktioniert das wenn man ein zweites Becken zur Zwischenlagerung zur Hand hat. Dann kann man die Einrichtungsgegenstände (Eierkartons, Papierrollen etc.) aus dem Zuchtbecken kurz abklopfen und mit den Tiere darauf in das zweite Becken legen. Besonders abgenutzte Stücke werden dabei gleich durch neue ersetzt. Hat man so alles in das neue Becken gehoben bleiben am Boden der Müll und ein paar Tiere übrig. Die Tiere sammelt man dann gewissenhaft heraus und gibt sie zu den anderen. Den Müll kann man anschließend entsorgen. Wir halten es aber so, dass der übrig gebliebene Müll noch eine Nacht ins Gefrierfach bei -15 °C kommt, nur für den Fall, dass man ein paar Jungtiere übersehen hat. Man will keine zweite Schabenzucht im Mistkübel starten. Wichtig ist für das ein dicht schließendes Gefäß damit das ganze hygienisch bleibt.

Start der eigenen Zucht

Bereits mit sehr wenigen Tieren kann man eine Zucht beginnen. Gerade wenn man sich vor allem aus Interesse damit beschäftigen will braucht man zu Beginn noch keine hundert Tiere. Für eine sehr kleine Zucht reichen eine Hand voll Weibchen und ein paar Männchen. Damit kann man sehr langsam mit der ersten eigenen Zucht beginnen.

Mit 30 Weibchen und 10 Männchen und etwa 50 Jungtieren startet man schon eine etwas größere Zucht.

Bekommen kann man die Tiere mittlerweile in vielen Zooläden, im Internet oder auf Terraristik Börsen. Beim Versand der Tiere nur darauf achten, dass es nicht unter 10°C in der Nacht haben sollte.

Einschränkung der Zucht

Nachdem die Zucht sehr einfach ist kann es auch leicht passieren, dass sie einem über den Kopf wächst.

Selbst eine kleine Schaben-Zucht liefert sehr bald wesentlich mehr Tiere als man für den Eigenbedarf bei nur wenigen Tiere benötigt.

Wer nur wenig selbst verfüttert muss sich zwangsläufig überlegen wie man die Zucht kontrollieren kann. Eine einzelne ausgewachsene Bartagame braucht nur wenig Futtertiere – und auch die sollten nicht alle Schaben sein.

Nicht über die Nahrung!

Klar sollte sein, dass man den Nachwuchs nicht über das Futterangebot regulieren sollte. Denn das bedeutet einfach nur, dass man Tiere (Ver)-Hunger lässt und Kannibalismus fördert. Wer seine Futtertiere nicht vernünftig halten und züchten kann sollte lieber gleich die Finger davon lassen.

Temperatur

Einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklungsgeschwindigkeit der Tiere und damit den Ertrag der Zucht hat die Temperatur. Wie bei allen wechselwarmen Tieren bewirkt eine niedrigere Umgebungstemperatur einen niedrigeren Stoffwechsel. Die Tiere bewegen sich langsamer, verdauen langsamer und wachsen langsamer. Damit kommt es auch zu weniger Wachstum. Bei etwa 30 °C sind die Tiere am produktivsten und entwickeln sich am schnellsten. Wärmer sollten sie nicht mehr gehalten werden. Aber auch bei 15 °C können die Tiere noch gehalten werden, vermehren sich dann aber nur mehr sehr langsam.

Selektives Verfüttern

Wenn nur ausgewachsene Weibchen verfüttert werden kann natürlich weniger Nachwuchs entstehen. Diese Methode ist für kleine Zuchten durchaus eine Möglichkeit um den Nachwuchs einfach ein bisschen zu bremsen.

Abgeben

Futtertiere los zu werden ist in der Regel nicht das Problem. Jeder Terrarianer freut sich in der Regel über ein bisschen Abwechslung beim Ernährungsplan seiner Tiere. Wer keine Freunde mit Reptilien, Spinnen oder anderen Insektenfressern hat kann auch mal auf diverse Stammtische in der Umgebung vorbei schauen. Zur Not nimmt in der Regel auch der Zoofachhandel um die Ecke bereitwillig Futtertiere ab.

Geschlechter trennen

Diese Methode sei nur der Vollständigkeit halber genannt. Bei sehr kleinen Zuchten kann man die ausgewachsenen Tiere auch grundsätzlich nach Geschlecht getrennt halten. Dann kann man sehr gezielt den Nachwuchs steuern. Allerdings ist das wirklich nur bei sehr kleinen Zuchten möglich und wohl nur etwas für Leute die so eine Zucht vor allem aus Interesse betreiben.

Weiterführende Informationen

Wer sich für das Thema “Futtertiere züchten” interessiert dem sei sehr stark das Buch “Futtertierzucht” aus dem DATZ Verlag ans Herz gelegt. Ein sehr detailliertes Buch für sehr viele verschiedene Futtertiere. Von der Schnecke und dem Regenwurm bis zur Ratte ist alles dabei. Das Buch bietet Informationen und Anleitungen mit denen auch eine große professionelle Zucht aufgezogen werden kann.

Futtertierzucht” beschreibt die professionelle Zucht vieler verschiedener Futtertiere.
Erhältlich bei Amazon.de

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