Bartagame kratzt an Scheibe

Manchmal fangen Bartagamen plötzlich an wie verrückt an der Scheibe des Terrariums zu kratzen. Das kann beunruhigend wirken aber auch störend werden. Als Halter fragt man sich natürlich, warum das Tier das macht und wie man darauf reagieren sollte.

Das Konzept, dass Scheiben durchsichtig sind man aber nicht durchgehen kann, können Bartagamen nicht verstehen und auch nicht lernen. Auch nach Jahren nicht.

Für das Kratzen an der Scheibe können eine ganze Reihe von Ursachen in Frage kommen.

Mögliche Ursachen

Unharmonische Gruppe

Bartagamen sind grundsätzlich Einzeltiere. Viele Leute versuchen dennoch die Tiere in Gruppen zu halten. Das kann unter Umständen funktionieren wenn einige Bedingungen gegeben sind: Das Terrarium sehr groß dimensioniert ist, die Geschlechter der Gruppe richtig verteilt sind, die Einrichtung entsprechend mehrere gleichwertige Sonnenplätze bietet etc.

Mehr zur Gruppenhaltung unter: Einzel- oder Gruppenhaltung

Wenn ein Tier aus einer Gruppenhaltung beginnt an der Scheibe zu kratzen ist besondere Aufmerksamkeit gefordert. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass das Tier unter Stress steht und versucht der Gruppe zu entkommen.

Achtung: Auch Gruppen die viele Jahre sehr harmonisch zusammen gelebt haben können sich oft von einen Tag auf den nächsten nicht mehr verstehen und müssen eventuell sofort getrennt werden.

Besonders im Frühling, nach der Winterruhe, kann so eine Verhaltensänderung eintreten.

Etwas Interessantes außerhalb des Terrariums

Manchmal kann die Antwort auch so einfach sein wie, dass das Tier außerhalb des Terrariums etwas Interessantes sieht und dort hin möchte. Das könnten z.B. Futtertiere sein.

Versuchen Sie die Welt aus dem Blickwinkel der Bartagame zu sehen. Was könnte das Interesse wecken? Versucht das Tier immer in die selbe Richtung zu kriechen? Eventuell ist es so etwas unscheinbares wie eine Heimchenbox auf die das Tier über Jahre hinweg mit Futter konditioniert wurde.

Eventuell ist es auch eine andere Bartagame die das Tier sieht und zur Paarung aufsuchen will. Blickkontakt zwischen verschiedenen Terrarien sollte grundsätzlich immer vermieden werden. Auch über reinen Blickkontakt kann Unterdrückung und Stress ausgeübt werden.

Überprüfen Sie in diesem Zusammenhang auch ob die Tiere eventuell etwas in der Spiegelung der Scheibe sehen können. Eventuell sehen sie sich selbst und reagieren darauf.

Einrichtung nicht ausreichend

Exponierter Sonnenplatz

Verfügt das Terrarium über einen ausreichenden Sonnenplatz? Bartagamen sind Lauerjäger. Ansitzjäger die in der Sonnen an einem erhöhten Punkt auf Beute warten.

Wenn das Terrarium über keinen guten exponierten Sonnen- und Aussichtsplatz verfügt kann das Tier versuchen außerhalb des Terrariums einen zu finden. Dass dort die Haltungsbedingungen natürlich alles andere als angenehm sind ist ihm dabei natürlich nicht bewusst.

Ein paar dickere Kletteräste oder exponierte Stellen, idealerweise mit direkter Bestrahlung durch die UV Lampe, sollten in keinem Terrarium fehlen.

Richtiges Substrat – Grabfähiger Bodengrund

Bartagamen graben manchmal gerne. Einerseits zum Eier legen, aber auch um sich einfach zurückzuziehen. Zum Schlafen, für die Winterruhe oder einfach nur so unter Tags wenn es ihnen im Hochsommer mal zu heiß wird.

Verfügt das Terrarium über keinen ausreichenden Bodengrund kann das ein guter Grund sein das Terrarium verlassen zu wollen. Besonders Weibchen benötigen den Bodengrund zum Eier legen. Sie vergraben ihre Eier in bis zu 30 cm tiefe Löcher.

Beleuchtung und Temperatur

Gerade bei tagaktiven Steppentieren wie Bartagamen ist es natürlich leicht möglich eine falsche oder unzureichende Beleuchtung im Terrarium zu haben.

Temperatur, Licht-Farbe, Helligkeit oder UV-Intensität im Terrarium müssen passen. Diese Parameter müssen überprüft und Lampen regelmäßig erneuert werden.

Vor oder nach dem Koten

Viele Tiere verhalten sich kurz vor dem Stuhlgang oder direkt danach “außergewöhnlich”. Beobachten Sie ob das Kratzen an der Scheibe damit in Zusammenhang steht.

Manche Tiere etablieren geradezu eine Klo-Ecke im Terrarium. Diese bzw. generell Kot sollte regelmäßig gereinigt werden.

Wenn das Kratzen an der Scheibe durch den Stuhlgang verursacht wird sollte es nur kurz andauern. Man kann sich dann gleich für den Hinweis auf besonders frischen Kot bedanken und eine Kotprobe auswerten lassen. Eventuell sollte man noch in Betracht ziehen ob das Terrarium dann nicht zu klein ist oder zu wenig Struktur bietet.

Konditionierung auf den Halter oder Futter

In sehr geringen Maße können Bartagamen konditioniert werden. Bekommt das Tier immer Futter sobald jemand vor das Terrarium tritt kann es dieses Muster irgendwann “lernen”. Dann kann es vorkommen, dass es anfängt zu kratzen sobald jemand vor dem Terrarium steht.

Ein Zeichen dafür kann sein, wenn das Tier den Händen der Person vor dem Terrarium folgt. Viele Halter interpretieren dieses Verhalten fälschlicher Weise als Zuneigung.

Damit die Tiere ihren natürlichen Jagdtrieb ein wenig ausleben können sollten tagaktive Futtertiere, die sich nicht sofort verstecken, nicht von Hand gefüttert werden. Diese kann man einfach mit Supplimente bestreuen und einfach ins Terrarium setzen wo die Bartagame sie dann im eigenen Tempo jagt.

Terrarium zu klein

Natürlich kann das Terrarium auch einfach zu klein für den Bewegungsdrang des Tieres sein.

Mit dem Online-Terrarium-Rechner die Terrarium Größe überprüfen.

Paarungstrieb beim Männchen

Kratzt ein einzelnes Männchen das normalerweise so ein Verhalten nicht zeigt nach der Winterruhe plötzlich an der Scheibe kann das auch ein Zeichen für den Paarungstrieb des Tieres sein.

Die Winterruhe ist ein natürlicher Taktgeber im Verhalten der Bartagame. Nach der erholsamen Winterruhe beginnt ein neues Jahr. Damit wird für ausgewachsene Tiere auch die Paarungszeit eingeläutet. Besonders Männchen sind dann angetrieben eine Partnerin zu finden.

Aus dem Terrarium heraus nehmen?

Die Tiere kratzen an der Scheibe weil sie aus dem Terrarium heraus wollen. Soll man da als Halter nachgeben? Nein!

Achtung: Man sollte die Tiere nicht in der Wohnung herumlaufen lassen.

Bartagamen können das Konzept einer Glasscheibe nicht begreifen. Sie verstehen nicht warum unmittelbar hinter der Scheibe völlig andere Haltungsbedinungen herrschen wie in ihrem Terrarium. Sie kennen auch die Gefahren der Wohnung nicht. Es liegt an uns verantwortungsvollen Haltern die Tiere nicht in die Wohnung zu lassen. Auch zum Streicheln oder Hantieren sollten die Tiere nicht herausgenommen werden.

Kälteschock und Lungenentzündung

Die Luft und vor allem der Boden in der Wohnung sind kalt. Dieser Unterschied ist für uns weit weniger spürbar als für ein wechselwarmes Tier das mit dem Bauch am Boden liegt.

Durch den Temperaturunterschied und die rasche Änderung kann das sehr stark auf den Körper einer Bartagame wirken. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Lungenentzündung führen. Diese Krankheit kann sehr tückisch sein und schnell verheerend enden!

Putzmittel und andere Gifte

Bartagamen erkunden ihre Umgebung mit der Zunge. Jeder Halter konnte sein Tier schon mal beobachten wie es einen Stein oder anderen Untergrund mit der Zunge “gekostet” hat. Das ist völlig natürlich und gibt dem Tier Aufschluss über die Umgebung.

In einer modernen Wohnung ist der Boden in der Regel aber voller Putzmittel und anderer Grifte. Auch Fensterscheiben werden mit Putzmittel gereinigt und Raumdüfte legen sich überall ab. Diese Chemikalien haben Nichts auf den empfindlichen Zungen der Tiere zu suchen.

Außerdem sind der Großteil der Zimmerpflanzen stark giftig. Bartagamen kennen diese Pflanzen allerdings nicht und fressen einfach was ihnen vor den Mund kommt.

Selbst eigentlich ungiftige Pflanzen die gekauft wurde sind oft noch mit Spritzmittel aller Art behandelt und nicht für Bartagamen geeignet.

Fazit

Es kann eine Reihe von Gründen geben warum Bartagamen an der Scheibe kratzen. Zunächst sollte die Haltung überprüft werden. Ist das Tier kein Einzeltier kann das Problem eine plötzliche Disharmonie der Gruppe sein und ein sofortiges Trennen der Tiere notwendig werden. Auch falsche Haltungsbedingungen können das Tier zur Flucht treiben. Manchmal ist es einfach nur ein Reflex vor oder nach dem Koten oder etwas Interessantes außerhalb des Terrariums.

Was auch immer der Grund sein mag, als Halter sollte man sich damit beschäftigen und versuchen dem Tier zu helfen. Man sollte aber nicht dem unmittelbaren Drang des Tieres nachgeben und es in der Wohnung herumlaufen lassen. Man darf das Verhalten auch nicht vermenschlichen und als Zuneigung zum Halter interpretieren.

Mehr Informationen

Empfehlung: Der Klassiker unter den Bartagamen-Büchern.

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One thought on “Bartagame kratzt an Scheibe

  • Anonymous

    Also mein Zwergbarti hat vor knapp einer Woche auch mit dem Scheibenkratzen über Stunden begonnen habe ihn noch nicht sehr lange aber hab das Verhalten intensiv beobachtet und dachte mir er kann sich nicht nur verletzen es muss für ihn auch furchtbar stressig sein das hin und her ich will raus,also habe ich den unteren Bereich des Terrarium etwas zugemacht das er zwar schauen kann aber vorne muss er schon sein Köpfchen dafür strecken,nach einer Zeit der Gewöhnung ging er auf seinem Sonnenplatz zum chillen! Ps.In ihren natürlichen Lebensraum ist doch auch nicht ständig was los außer Wüste und ab und zu ein Strauch und ein Futtertier usw. mfg.Chris

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