Wiesenplankton – Futtertiere von draußen

Futtertiere kommen in den unterschiedlichsten Formen. Grillen, Heuschrecken, Asseln, Schaben, “Würmer” (Larven), Käfer, etc.

Doch damit nicht genug. Auch die Herkunft der Tiere kann stak variieren. Gekauft im Zoofachhandel, direkt vom Futtertierzüchter, selbst gezüchtet oder gar in der Natur gefangen.

Besonders bei Insekten aus der Natur gehen die Meinungen oft sehr stark auseinander.

Darf man Insekten aus der Natur verfüttern?

Im Anschluss wollen wir dieses Thema ein bisschen genauer betrachten und mit alten Vorurteilen aufräumen.

Futtertier-Quellen im Vergleich

Werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf die möglichen Herkunftsarten von Futtertieren.

Im Zoofachhandel kaufen

Futtertiere im Zoofachhandel zu kaufen ist sicher die bequemste Art um an Futter zu kommen. Leider sind die Tiere aber oft tagelang in einer Heimchenbox eingepfercht bevor sie verkauft werden. Man sollte daher nachfragen an welchem Wochentag die Lieferungen mit neuen Futtertieren kommen und immer möglichst zeitnah kaufen.

Auch bei den einzelnen Züchtern von Futtertieren gibt es große Qualitätsunterschiede. Es kann sich daher lohnen auch danach mal zu fragen und einen genaueren Blick auf den Züchter und dessen Herkunft zu werfen. Wie eine saubere Futtertierzucht im großen Stiel aussehen kann, kann man in diesem Videobeitrag zu Bugs International sehen.

Nach dem Kaufen sollte man die Tiere jedenfalls niemals gleich direkt verfüttern. Zum einen ist immer wieder mal das ein oder andere Tier dabei das vielleicht fit wirkt aber dann nach nicht mal einem Tag plötzlich tot ist. Dieses Tier will man sicher nicht verfüttern.

Zum anderen waren die Tiere gerade lange in der Heimchenbox und müssen erstmal gründlich mit gesunder Nahrung vollgestopft werden. Ihren Magen- und Darm-Inhalt geben sie schließlich direkt an unsere Bartagamen weiter. Mehr zu diesem Thema unter: Futtertiere richtig anfüttern – “Gut-Loading”

Beim Züchter direkt kaufen

Mit ein wenig Recherche findet man oft Futtertierzüchter die auch direkt an Endkunden verkaufen. Die fahren dann regelmäßig festgelegte Routen ab wo man an ausgemachten Treffpunkten Futtertiere kaufen kann. Das ist natürlich vorteilhaft weil die Tiere so noch kürzer im Transport sind. Allerdings zahlt sich das meistens erst ab einem sehr hohen Futtertier-Bedarf aus. Wer Glück hat kann aber einen solchen Treffpunkt vielleicht ganz in seiner Nähe finden.

Selbst züchten

Natürlich besteht auch die Möglichkeit sich selbst an einer Futtertierzucht zu versuchen. Allerdings sei an dieser Stelle gleich vorgewarnt. Die Zucht von Futtertieren ist ein zweischneidiges Schwert.

Zum einen hat man die Qualität selbst in der Hand, zum anderen hat man die Qualität selbst in der Hand. Richtig gelesen. Futtertiere in hoher Qualität heranzuzüchten ist nicht so leicht und mit mehr Aufwand verbunden als man zunächst vermuten könnte.

Natürlich kommt das auch stark auf das Futtertier an. Schaben wie Totenkopfschaben oder Argentinische Waldschaben sind besonders leicht zu züchten, Heuschrecken stellen da schon mehr Ansprüche.

Hygiene, Ernährung, richtige Haltungsbedingungen etc. sollte man bei der Futtertierzucht nicht unterschätzen.

Auch sollte man beachten, dass man in der Regel gar nicht den Bedarf an Futtertieren hat den selbst eine kleine Zucht abwirft. Aber da helfen andere Reptilien-Halter und Freunde des Hobbies sicher gerne aus.

Zum anderen ist eine einzelne Zucht noch nicht ausreichend. Man sollte schließlich nicht nur ein Futtertier füttern sondern möglichst abwechslungsreich. Oft kommt man also dennoch nicht um den Kauf oder das Fangen zusätzlicher Futtertiere herum. Glücklich ist, wer seinen Überschuss aus der Zucht bei Freunden gegen andere Futtertiere tauschen kann.

Wer sich ernsthaft für diese Thematik interessiert dem sei wärmstens dieses Buch empfohlen. Es beschreibt auf sehr hohem Niveau wie eine saubere Zucht für die verschiedensten Futtertiere aussehen kann.

Wer die notwendige Disziplin aufbringen kann um Hygiene und alle anderen Parameter einzuhalten wird mit einem sehr interessanten Neben-Hobby belohnt und bekommt obendrein auch noch Top Futtertiere.

Wiesenplankton

Was uns beim Menschen längst klar ist, ist bei der Futtertierzucht nicht so offensichtlich. Futtertiere werden in Massentierhaltung gezüchtet und mit Kraftfutter gefüttert um möglichst schnell zu wachsen.

Insekten aus der Natur ernähren sich abwechslungsreicher als wir das jemals mit gezüchteten Futtertieren erreichen können, genießen UV Licht, Blütennektar, sind den ganzen Tag aktiv,…

Was ist “Wiesenplankton”?

Als “Wiesenplankton” werden seit den Urzeiten der Terraristik Futtertiere bezeichnet die in der freien Natur gefangen werden. Ursprünglich waren diese Futtertiere nicht wegzudenken. Klassische Futtertierzuchten wie heute gab es gar nicht und eine eigene Futtertierzucht war nicht so einfach und oft nicht rentabel wenn man nur wenig Bedarf hatte.

Also war es für den Reptilienhalter selbstverständlich regelmäßig mit dem Kescher durch das hohe Graß zu waten und mit schwingenden Bewegungen alles einzufangen was auffliegen wollte.

Die so gefangenen Insekten wurden als “Wiesenplankton” bezeichnet – als Anlehnung an das Plankton das z.B. Wale aus dem Meer herausfiltern. Auch hier werden kleine Lebewesen, ähnlich dem Kescher, mit den Barten des Wales gefangen.

Obwohl “Wiesenplankton” seit jeher essentieller Bestandteil der Terraristik war geratet der Begriff, vor allem bei Novizen der Terraristik, leider immer mehr in Vergessenheit. Nicht zuletzt auch deshalb weil Futtertiere heute beinahe überall problemlos gekauft werden können.

Das ist schade, denn heute wie damals stellt “Wiesenplankton” eine ausgezeichnete Ergänzung in der Ernährung unserer Reptilien dar.

Vorurteile

“Man weiß nicht wo die Tiere zuvor waren oder was sie gegessen haben”

Zugegeben, das stimmt. Insekten die wir auf der Wiese fangen können überall gewesen sein. Sie ernähren sich nicht nach unseren strikten Vorgaben. Aber ganz ehrlich, gerade darin liegt der große Vorteil. So abwechslungsreich wie sich die Tiere in der Natur ernähren können wir Futtertiere in der Zucht gar nicht füttern.

Eine der schwersten Aufgaben bei der Haltung von Reptilien ist es, möglichst abwechslungsreich zu füttern. Während wir bei Futterpflanzen noch eine sehr große Auswahl zur Verfügung haben, sieht das bei Insekten schon wieder ganz anders aus.

Viele Leute kaufen ohnehin nur Heuschrecken weil die in Handhabung und Fütterung sehr einfach sind. Einfach ins Terrarium schmeißen und fertig. Man muss anders als bei Schaben, Asseln, Grillen und Mehlwürmern keine Angst haben, dass sich die Tiere sofort verkriechen und nie wieder gesehen werden.

Gesund ist so eine einseitige Ernährung mit nur Heuschrecken freilich nicht.

Neben unterschiedlichen Futtertieren bieten sich daher besonders Insekten aus der Natur an um mehr Abwechslung in den Speiseplan zu bringen. Wer zumindest manchmal Zugang zu einer Wiese mit hohem Gras, einer großen Hecke oder einem Stückchen Waldrand hat sollte sich einen Kescher zulegen und einmal Sammeln gehen.

Selbstverständlich vielleicht nicht direkt neben einer dreispurigen Autobahn oder direkt nachdem Gülle auf das Feld gestreut wurde. Mehr Nährstoffe und Vitamine als bei Insekten aus der Natur bekommt man mit gekauften Futtertieren aber sicher nicht. Man kann immer davon ausgehen dass Insekten aus der Natur wesentlich gesünder und abwechslungsreicher ernährt wurden, als in der Zucht.

Parasiten?

Groß ist auch immer die Angst Parasiten und andere Krankheiten aus der Natur einzuschleppen. Dazu zwei Dinge:

Zum einen sind Parasiten sehr wirtspezifisch. Selbst eine Übertragung von einem Insekt auf ein anderes ist oft nicht möglich. Wesentlich unwahrscheinlicher ist daher eine Übertragung auf ein so großes Reptil wie eine Bartagame. Durch das Fressen und den starken Verdauungstrakt einer Bartagame noch dazu.

Zum anderen macht man sich natürlich etwas vor wenn man denkt, dass Futtertiere aus einer Massentierhaltung, die mit Kraftfutter zu möglichst schnellem Wachstum getrieben werden, eher gesund und fit sind, als Tiere aus der freien Natur. Im schlimmsten Fall bekommt man Tiere die mit Mittel gegen Pilze oder anderen Medikamenten behandelt wurden.

Achtung Naturschutz!

Bevor man jetzt mit dem Kescher zur nächsten Wiese läuft noch ein wichtiger Hinweis. Achtung auf den Naturschutz! Nicht jedes Insekt darf verfüttert werden. Bedrohte und geschützte Insekten haben freilich Nichts auf der Speisekarte zu suchen. Ein kleiner Natur-Ratgeber kann helfen um nur Tiere zu verfüttern, bei denen das kein Problem ist.

Fazit

Bei uns Mensch würde niemand auf die Idee kommen, dass ein Stück Wild aus der Natur ungesünder wäre als ein Schwein das in Massentierhaltung mit Kraftfutter in kürzester Zeit hochgezüchtet wurde.

Warum sollte es sich also bei Futterinsekten anders verhalten?

Insekten aus der Natur bietet die höchste Qualität! Wir tun unseren Bartagamen etwas sehr gutes wenn wir ihnen immer wieder die Speisekarte mit “Wiesenplankton” aufwerten. Abwechslungsreiche Ernährung ist essentiell für eine gesunde Ernährung und in weiterer Folge für gesunde Tiere.

Sind gekaufte Futtertiere jetzt schlecht?

Nein, natürlich nicht. Für viele Halter gibt es auch gar keine Alternative. Beim Kauf der Tiere sollte man nur darauf achten sie möglichst “frisch” nach der Lieferung zu kaufen. Auf jeden Fall muss man sie vor dem Verfüttern dann noch kräftig anfüttern – diese Nährwerte geben sie direkt an unsere Bartagamen weiter (Gut-Loading). Dieses Anfüttern fällt bei “Wiesenplankton” freilich aus.

Alternativ kann man sich auch mit dem Thema Futtertier-Zucht beschäftigen. Allerdings muss man sich auch dann überlegen wie man an genug Abwechslung kommt.

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